Fasziniert über die Vielseitigkeit der Gambe

In der heutigen Zeit, in der das Leben doch recht laut, schnell und overloaded ist, liebe ich die Momente, in denen ich die Augen schliesse und mich in eine andere Welt entführen lasse. Für mich kann das durch Filme, Kunst, Essen aber vor allem durch Musik passieren.

Joseph durfte ich, mit seiner Gambe auf einem kleinen Konzert im Mathilde, Literatur & Café erleben. Für mich als Laien ein Instrument mit dem Aussehen eines Cello, nur dass es

zwischen die Beine geklemmt wird oder man es wie eine Gitarre spielen kann. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet und war von der Auswahl der Stücke und der Musik sehr begeistert.

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Lieber Joseph, bei Deinem Konzert konnte ich schon ein bisschen über die Gambe und ihren Uhrsprung erfahren, weiss ich nicht, wie Du zu diesem Instrument gekommen bist und was Dich daran am meisten fasziniert.

Erzähl doch bitte erst einmal ein bisschen von Dir und was Du vor der Musik gemacht hast?

Joseph // Als ich jung war, habe ich viel Fussball gespielt. Das war sozusagen meine erste Liebe :).Ich hatte ein wenig Kontakt mit Musik, habe im Chor gesungen und für weniger als ein Jahr Gitarre gespielt. Zu der Zeit war Fussball der Mittelpunkt meines Lebens. Ich bin dann aufs College gegangen und habe dort professionell gespielt und Philosophie sowie Psychologie studiert. Nach der Uni hatte ich viel Lust neue Kulturen kennenzulernen und habe mit dem Reisen angefangen. Ich habe unter anderem in Kamerum, China und Italien viel Zeit verbracht und dort gearbeitet.

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Wie kam es dann, dass Du die Gambe für Dich entdeckt hast

Joseph // Nach diesen Reisen wollte ich Musik machen und bin nach Sevilla gegangen, um Flamenco-Gitarre zu studieren. Nach ein paar Jahren bin ich im Konservatorium angenommen worden und dort habe ich meinen ersten Kontakt mit Alter Musik (im Chor) gemacht und hatte dann schließlich meinen ersten Kontakt mit der Gambe.

Es gibt eine “Gamben Kultur” in Sevilla und ein sehr bekannter Gambist, Fahmi Alquai, hat ein Konzert in einem Festival gespielt, dass ich besucht habe. Nach diesem Konzert war ich absolut fasziniert von der Gambe und habe Fahmi und seinen Bruder Rami kennengelernt. Sie haben mir mit allem geholfen, eine Gambe, einen Bogen und Saiten zu kaufen. Danach war Rami für drei Jahre mein Lehrer und ich habe mein Studium abgeschlossen in dem ich mein letztes Jahr mit Fahmi studiert habe.

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Woher kommt die Gambe eigentlich und wie beschreibt man am besten die Musikstücke, die auf ihr gespielt werden?

Joseph // Der Name Viola da Gamba (dt. Gambe) ist italienisch, Gamba bedeutet ‘Bein’, während Viola im 16. Jahrhundert, im Grunde ein Holzsaiteninstrument beschreibt. Also ist eine Viola da Gamba ein Saiteninstrument, das zwischen den Beinen gespielt wird; eine “Beingeige”. Das ist die Herkunft des Namens. Die Italiener haben die Gambe in Europa bekannt gemacht. Aber die erste Gambe, die wir kennen, kommt aus Spanien aus dem späten 15. Jahrhundert. Es gab ein kleines Instrument

in Spanien, Viuela da Mano (Viuela = Saiteninstrument, Mano = Hand); also eine “Handgeige”, wie eine alte Gitarre. Andere Musiker haben zu der gleichen Zeit mit einem Bogen gespielt (Arco = Bogen); dieses Instrument war die Viuela da Arco; “Bogengeige”. Die Spanier waren während dieser Zeit in Italien, haben die Viuela da Arco mitgebracht und verbreitet. Die Italiener haben diesem Instrument dann ihren eigenen Namen gegeben, nämlich Viola da Gamba. In Italien beschreibt man ein Instrument wo man es spielt und nicht wie. Über die Musikstücke, die man mit der Gambe spielen kann, kann ich etwas in einem einfachen Wort sagen: Alles! Es ist ein Instrument und der Musiker kann und muss entscheiden, welchen Typ Musik er interpretieren möchte.

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Was fasziniert Dich am meisten an diesem Instrument?

Joseph // Diese Antwort kann meine letzte Antwort erklären…meine Lieblingseigenschaft ist, dass die Gambe so vielseitig ist. Meine ist die Bass-Gambe, sie ist groß genug zum Bass spielen (mit Bogen oder mit Fingern), zum Akkorde spielen (Bogen oder Hand) und zum Melodie spielen, außerdem kann ich auf dem Körper Perkusion spielen.

Du Spielst als Straßenmusiker und auf Festivals, manchmal gibst Du kleine Konzerte an denen Du für Hutgeld spielst, zusätzlich gibst du Unterricht.

Dies ist ein Lebensstil, den sich viele Menschen wahrscheinlich gar nicht vorstellen können oder es sich nicht trauen würden.

Warum ist dies, Deine Art zu leben und was ist Dir dabei wichtig?

Joseph // Ich liebe Musik und sie ist meine Leidenschaft und die Welt ist meine Bühne. Ich spiele Konzerte in Kirchen, Museen und Theater. Ich möchte, dass alle Menschen mein Instrument und meine Musik kennenlernen. Also spiele ich auch auf Privatfeiern und in Restaurants, Cafés und auf der Strasse.

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JOSEPH Hamburg josephmariaantonio.com

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// Photos & Written by: Uta Gleiser

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