Ein Restaurant im Wohnzimmer

Achtzig Jahre und kein bisschen leise. Diese Beschreibung passt ganz hervorragend zu Monika Fuchs. „Hallo Frau Fuchs“. Die Dame des Hauses öffnet mir beim ersten Besuch die Tür und erteilt mir direkt einen Rüffel. „ Ich bin Monika, und hier wird sich nicht gesietzt“. Die Frau ist mir zutiefst sympathisch.
Bei allen meiner Strecken, die ich auf Hamburgstories poste, möchte ich die Menschen, die ich mit der Kamera begleite, ein bisschen kennenlernen und verabrede mich vorab zu einem Treffen.

Dieses erste „Kennenlernen“ findet bei Monika in der Küche statt. Für mich der beste Ort einer jeden Behausung. Während ich am Küchentisch Platz genommen habe, sitzt Monika auf einem Barhocker und fängt mit ihren Vorbereitungen für das nächste Dinner an. Arbeiten müsste Sie schon lange nicht mehr, aber nur noch den Haushalt zu machen, den sie jahrelang nebenher geschmissen hat, dass ist ihr zu langweilig. Sie ist Journalistin, ein Familienmensch und als sie merkt, dass ihr das Kochen für ihre 3 Kinder und mehrere Pflegekinder mehr Spaß macht als ihr Job, trifft sie, wie der Zufall es will, auf jemanden aus dem Catering-Business und steigt mit in das Business ein. Jahre- lang zauberte sie Gerichte im NDR, bekochte Reinhold Beckmann und einige berühmte Schauspieler, Politiker und Musiker gleich dazu.

Als sie dann in den wohlverdienten Ruhestand ging, die Hummeln im Hintern, die Neugierde und der Tatendrang aber noch immer da sind, kommt ihr die Idee vom Restaurant im eigenen Wohnzimmer. Menschen bekochen, dass ist es, was ihr Freude bereitet und diese ein bisschen kennenlernen. Warum dann nicht in den eigenen vier Wänden? Mittlerweile ist ihr Supper-Club, ein kleiner Familienbetrieb, denn für das 5-Gänge-Menü muss einiges eingekauft, geschnibbelt und vorbereitet werden. Ihre Enkel helfen mit den Besorgungen, dem Tischdecken und auch dem Service. Mit dem Preis für ein Dinner deckelt sie ihre Ausgaben und der Rest geht an die Kinderkrebsstiftung Waldpiraten-Camp.

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Ein paar Wochen nach unserem Treffen wird ein Platz in Monikas Restaurant im Wohnzimmer frei und auch ich darf mich von ihr bekochen lassen. Das Menü ist ein Genuss. Die großen Platten, die an den zwei Tischen im Wohnzimmer rumgereicht werden, machen das Ganze sehr familiär. Das Besondere an diesem Abend ist wohl, dass es ein Essen mit fremden Menschen ist, in einer warmherzigen und sehr privaten Atmosphäre.
Monika Fuchs hat die Leidenschaft, Andere zu bekochen. Genau das macht sie glücklich und

die Bekochten erst recht. Sie schwärmt noch immer vom Reisen, von der See und der Abenteuerlust, die wohl nie gestillt sein wird. Den Schalk im Nacken und ihre warme Ausstrahlung haben dieses Treffen in der Küche zu etwas ganz Besonderem gemacht. Ihr Elan, ihre Lebensfreude und Neugier würde ich mir von manchen 30-jährigen wünschen. Ich freue mich auf noch weitere Abendessen in ihrem Wohnzimmer und kann es nur jedem empfehlen, selber auszuprobieren.

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Liebe Monika, was für eine schöne Begegnung und was für ein toller Abend.
Das Restaurant im Wohnzimmer gibt es nun seit über zwei Jahren und du bist für die nächsten Monate ausgebucht. Das wundert mich nicht, denn einmal von dir bekocht zu werden und die herrliche Atmosphäre in deiner Wohnung mit Anderen teilen zu können, verleitet dazu, Wiederholungstäter zu werden.

Erzähl mir doch bitte erst einmal ein bisschen über dich, wie und wo du aufgewachsen bist und mit was du beruflich gestartet bist

Monika // Eigentlich will ich gar nicht so viel über mich erzählen, nur so in groben Zügen. Wenn ich alles erzählen würde, würde mir das eh niemand glauben. Also in groben Zügen. ich komme aus Hannover und war auf der Werkkunstschule um Textildesign zu studieren. Mit 18 bin ich dann nach Amerika ausgewandert, die Ferne lockte mich mehr als in Hannover zu bleiben…watn Wunder!

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Schon in jungen Jahren hatte es dich in die Ferne gezogen. Woher kommt der Drang zum Reisen und das Fernweh.

Was war die erste große Tour und wieso sind deine Kinder auf den Philippinen und in Australien zur Welt gekommen?

Monika // Fernweh blieb und ist immer noch mein Ding. Heimweh kenne ich nicht. In erster Ehe war ich mit einem amerikanischen Architekten verheiratet und bekam dort meinen ersten Sohn. In zweiter Ehe tat ich mich mit einem Menschen zusammen, der auch ständig unter Fernweh litt. Es konnte gar nicht weit genug sein. Und wir beide liebten das Abenteuer. In Neuseeland bekam ich unsere erste Tochter, auf den Philippinen eine weitere Tochter und einen Sohn.

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Dein Mann war Hoteldirektor und Gastronom. Da liegt der Gedanke nahe, dass deine Affinität zum Kochen durch ihn entstanden ist.

War das so?

Monika // Meine Affinität zum Kochen kam nicht durch meinen Mann, er lehrte mich aber gutes Essen von nicht so gutem zu unterscheiden. Und

er führte mich sozusagen einmal gastronomisch durch den größten Teil der Welt. Echt indisch, echt arabisch, echt indonesisch, echt koreanisch, echt chinesisch – überall da, wo er gearbeitet hat, hat er mich an das authentische Essen herangeführt. In den großen Hotels, wo er Direktor war, hat er mir ermöglicht in den Küchen  zuzuschauen und zu „schmecken“. Wenn ich das auch nicht alles selber so kochen kann, wie ich es erlebt habe, so weiß ich doch, wie es schmecken sollte.

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Mit viel Arbeit, aber genauso viel Liebe und Leidenschaft bereitest du und deine Enkel diesen Abend vor.

Wird die Leidenschaft dann nicht manchmal mehr zur Arbeit?

Monika // Klar ist kochen harte Arbeit. Aber ich liebe es einfach. Und dann merke ich gar nicht, wie hart das manchmal ist. Nur ab und zu, um 20 Uhr denn dann ist beinhart Feierabend in der Küche, möchte ich meine schmerzenden Knochen im Jutebeutel neben mir hertragen. Ein stehender Witz zwischen meinem Mann und mir wenn er mich fragte wie es mir geht. Aber meine Liebe und Leidenschaft zu Lebensmitteln und kochen und Gastgeber sein, das hoffe ich, vergeht nie. Meine Kinder meinen, man muß mich eines Tages von dem Kochtopf wegschießen damit ich endlich aufhöre. Kann sein!!!

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Was ist für dich das Besondere an diesen Abenden und warum geht das Geld an die Kinderkrebsstiftung Waldpiraten?

Monika // Das Geld spende ich dem Waldpiraten Camp weil sich diese Organisation nicht nur um die krebskranken Kinder in einer Freizeit bemühen, sondern auch die Geschwisterkinder, und oft auch die erschöpften Eltern mit aufnehmen. Und das möchte ich aus vollstem Herzen unterstützten. Egal wie wenig ich auch beisteuern kann, aber es macht Sinn.

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RESERVIERUNGEN ausschließlich per Mail an Monika

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// Photos & Written by: Uta Gleiser

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