Eine Stadtour im Bulli für alle Hamburgbegeisterten

Waterkant Touren in Hamburg hört sich für mich erst einmal nach einer Schiffsfahrt auf der Elbe an. Von wegen. Ein alter VW Bus, eine gemischte kleine Truppe an Neugierigen, die gerne die Insider-Ecken Hamburgs sehen wollen und schon geht sie los, die Waterkant Tour. In den meisten Städten werden Stadtführungen zu Fuß, mit großen Bussen, oder wie hier in Hamburg, auch auf Wasserwegen angeboten. Dabei kommt man an allen Sehenswürdigkeiten vorbei, die man meistens schon aus den einschlägigen Reiseführern kennt.

Jan und Steffen von Waterkant Touren wollten eine andere Stadttour anbieten, nämlich eine, die sogar für eingefleischte Hamburger von Interesse und nicht für riesige Busladungen gedacht ist. Klein und fein, dafür aber persönlich und es sollten Ecken von Hamburg gezeigt werden, die Insider kennen, aber nicht wirklich in den Stadtführern zu finden sind. Die Idee finde ich großartig. Zum einen bin ich kein Freund von riesigen Menschenansammlungen oder Gruppenausflügen und zum anderen weil ich gespannt bin, was es neues für mich in Hamburg zu entdecken gibt. Eine der beiden Touren, die man Online buchen kann, heißt Lotsen Tour und genau bei dieser gehe ich mit an Bord. Die Fahrt ist für zweieinhalb Stunden angesetzt und startet am Ende der Hafencity. Genau in dem Gebiet, in dem 50 % der Hafencity noch am Entstehen ist. Marco, unser Fahrer und Tourguide, begrüsst uns und erzählt die ersten Fakten über Hamburg, die Hafencity und

das Gebiet, welches gerade noch sehr nach Baustelle aussieht. Auf geht’s in Richtung Norderelbe auf den Ponton Entenwerder1. Wie ich finde, ein unglaublich gelungenes Vorhaben, welches erst der Anfang eines größeren Projektes ist – fast schon ein Kleinurlaub vor den Toren Hamburgs. Letztes Jahr im Frühjahr/ Sommer war dies ein fast nackter Anleger, sozusagen eine schwimmende Insel, auf dem ein zum Café umgebauter Container stand. Heute kann man schon von den Elbbrücken aus den goldenen Pavillon erkennen und bei gutem Wetter vor blauem Himmel funkeln sehen. Hach! Einfach ein herrlicher Ort, den selbst Hamburger zum Teil immer noch nicht kennen. Es geht durch den Zollhafen weiter nach Wilhelmsburg und mit ein paar Schlenkern und Stops, die absolut sehenswert sind, wieder zurück nach St. Pauli. Da ich der Meinung bin, dass diese Tour auch für oder vor allem etwas für Menschen ist, die schon länger in Hamburg zu Hause sind, möchte ich keine weiteren Details verraten und dass interessierte selber auf Tour gehen.

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Lieber Jan und lieber Steffen,
die Tour hat super viel Spaß gemacht. Nachdem ich jetzt auf den Geschmack
gekommen bin und Lust auf mehr bekommen habe, werde ich die Kompass Tour
auch noch mitmachen.

Erzählt mir doch bitte erst mal ein bisschen von Euch, wie Ihr Partner wurdet und was Ihr vor Waterkant Touren gemacht habt. Soweit ich weiß, seid Ihr beide nicht aus der
Tourismusbranche.

Steffen // Ich bin von der Ausbildung Wirtschaftsingenieur und habe viele Jahre in großen Konzernen als interner und externer Berater gearbeitet. Da ich immer unterschiedliche Projekte und damit Kunden hatte, war ich häufig unterwegs und leider selten in meiner Heimatstadt Hamburg. Da ich dies ändern wollte kündigte ich 2013 meinen damaligen Job in der Beratung und habe vorerst mit zwei weiteren Freunden ein Reiseunternehmen für Surf&Yogareisen gegründet. Aus dem Netzwerk entstand dann auch die Idee zur „kleinen Reise in der Stadt“ den Waterkant Touren. Jan hatte damals ebenfalls seinen Job gekündigt und wir haben uns ein paar Wochen überleget und geplant mit dem Ergebnis dass wir 2015 die Waterkant Touren an den Markt gebracht haben.

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Jan // Steffen und ich kennen uns tatsächlich schon fast unser ganzes Leben. Wir sind uns damals im Kindergarten das erste Mal über den Weg gelaufen und unsere Freundschaft hält bis heute – worauf ich schon ein kleines bisschen stolz bin. Im Sommer 2014 habe ich meinen damaligen Job, ich bin gelernter Journalist und war

zuletzt leitender Redakteur bei einem Hamburger Online-Portal, gekündigt und traf mich in dieser Zeit immer häufiger mit Steffen. Er hatte seit längerem die Idee einer „alternativen Stadttour“ durch Hamburg und kurzerhand haben wir unsere Kräfte gebündelt und die Waterkant Touren gemeinsam ins Leben gerufen.

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Wie kam also die Idee, eine solche Tour ins Leben zu rufen und wieso ausgerechnet mit Bullis?

Steffen // Der Ideengeber ist ein guter Freund von mir aus Lissabon in Portugal, der bereits seit einigen Jahren alternative Touren anbietet. Diese Idee haben wir nach Hamburg übertragen und uns komplett auf schöne und alte Bullis konzentriert.

Jan // Wie Steffen schon sagte, ursprünglich stammt die Idee – oder sagen wir unsere „Vorbilder“ – aus Lissabon. Getreu des alten Oscar Wilde-Zitats „Talent borrows, genius steals“ haben wir uns für Hamburg ein eigenes, auf die Stadt angepasstes Konzept überlegt. Der Gedanke, möglichst alte und charmante VW Bullis zu verwenden, war ebenfalls von Anfang an dabei: In meinen Augen sind diese gemütlichen Busse einfach ein Stück weit aus der Zeit gefallen, sie entschleunigen und bieten an Bord eine ganz besondere Atmosphäre – wie Du ja hoffentlich auch feststellen konntest.

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Was für Touren kann man bei Waterkant Touren buchen und bietet Ihr auch individuelle Fahrten an?

Steffen // Wir bieten neben unseren zwei festen Touren, der Kompass Tour, die 4Stunden

dauert und 49 Euro kostet und der Lotsen Tour bei der man 2,5 Stunden unterwegs ist und 39 Euro zahlt, auch individuelle Touren sowie saisonale Specials. Dies sind Winter/Weihnachtstouren aber auch Touren für Firmenevents, Freundentouren und Junggesellenabschiede.

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Was ist Euch wichtig bei den Touren und wird es in Zukunft ein noch größeres Angebot geben?

Jan // Auch wenn wir erst Anfang 2014 zu zweit und mit nur einem Bulli angefangen haben, war damals wie heute die Zufriedenheit unserer Gäste das A und O. Und dazu gehört natürlich, dass auch unsere Guides zufrieden sind und Lust auf die Touren haben.

Für alles Weitere sorgt die Stadt Hamburg mit ihren verschiedenen Spots, die wir während unserer Touren ansteuern. Diese besondere, freundschaftliche Atmosphäre zu erhalten, auch wenn das kleine Unternehmen mittlerweile gewachsen ist, ist die große Herausforderung – aber das bekommen wir hoffentlich sehr gut hin. Am Ende entscheiden das unsere Gäste. In 2017 wird es zudem die eine oder andere Überraschung geben.

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Ihr seid beide nicht aus der Branche und doch habt Ihr scheinbar eine gute Marktlücke gefunden und habt bereits eine gute Präsenz in Hamburg. Nach außen sieht meistens alles immer ganz einfach aus, aber aus eigener Erfahrung kommt man doch ab und an ins Stolpern oder ist kurz davor, alles hinzuschmeißen.

Wie war Euer Weg? Ging alles weitestgehend glatt oder kamt Ihr auch mal an Eure Grenzen bei denen Ihr dachtet, Ihr müsstet einpacken?

Jan // Ich denke die Tatsache, dass Steffen und ich uns jetzt seit mittlerweile 28 Jahren kennen, war für uns Fluch und Segen zugleich: Es sind nämlich zwei völlig

verschiedene Paar Schuhe, befreundet zu sein und gemeinsam ein Unternehmen zu gründen! Dessen war ich mir im Vorfeld so nicht bewusst. Wir wussten immer, dass wir uns aufeinander verlassen können und wir wussten auch immer um die Kompetenzen des anderen. Auf der anderen Seite haben wir in den vergangenen zwei Jahren wahrscheinlich mehr Zeit miteinander verbracht, als mit unseren Freundinnen. Und natürlich hat es bei Diskussionen, in denen wir unterschiedlicher Meinung waren, mehr als einmal heftig geknallt. Letzten Endes hat sich zum Glück gezeigt, dass wir mit sehr viel Elan, Engagement und zum Teil auch Blauäugigkeit vieles richtig gemacht und ein kleines, feines Unternehmen auf die Beine gestellt haben. Dass man dabei von Zeit zu Zeit stolpert gehört dazu, dass man mal hinfällt wahrscheinlich auch. Nur aufstehen sollte man immer – das haben wir zum Glück bislang hinbekommen.

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WATERKANT TOUREN waterkant-touren.com/

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// Photos & Written by: Uta Gleiser

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