Vom Beamten zum Schauspieler – eine Story vom Neuanfang

Zu erzählen, über welche Wege ich Jörn kennengelernt habe, würde das Ganze hier wohl sprengen. An dieser Stelle sei aber seiner Mutter gedankt, dass Sie mir im passenden Augenblick über den Weg gelaufen ist. Jörn´s Geschichte finde ich nicht nur spannend, sondern auch sehr mutig, denn eigentlich saß er schon fest im Sattel und war verbeamtet. Die Zukunft quasi gesichert. Das reicht den meisten Menschen ja schon, um glücklich und zufrieden zu leben. Bei Jörn war das anders, denn er entschied sich, noch mal ganz von vorne anzufangen und seinem Hang und seiner Liebe zum Schauspiel nachzugehen.

Ich finde diesen Schritt, seinen gesicherten Platz zu verlassen und dem nachzugehen, was man sich wirklich zum Glücklichsein wünscht, mehr als beeindruckend. Vermeintlich Notwendiges aufgeben und an ganz vielem gewinnen! Bei all der Schwärmerei muss aber trotzdem die Miete bezahlt werden und ebenso der Schauspielunterricht. Um das zu bewerkstelligen, ist Jörn einer der Stadtführer, die mit ihren roten Schirmen vormittags vor dem Hamburger Rathaus stehen.

Ich selber lebe seit knapp zehn Jahren in meiner Lieblingsstadt und hatte bislang noch nie eine Stadtführung mitgemacht. Von daher war es mehr als spannend zu sehen, wohin Jörn die kleine Gruppe und mich führen würde und was ich alles Neues über Hamburg erfahren würde… Zugegebenermaßen wusste ich scheinbar nicht sehr viel über „meine“ Stadt und kann nur jedem empfehlen, der hier auch schon eine längere Zeit lebt, eine solche Tour mal mitzumachen…Ihr werdet überrascht sein!

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Lieber Jörn, Erzähl doch bitte, was Du ursprünglich mal beruflich gemacht hast und warum es dann doch die Schauspielerei sein musste?

Jörn // Ich habe beim Finanzamt Steuerrecht studiert und dort danach noch zwei Jahre als Beamter gearbeitet, während ich nebenbei Jura studiert habe. Irgendwann habe ich mir dann überlegt, was ich mit dem Ganzen eigentlich anfangen wolle und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich lieber was anderes machen sollte. Ich war gut, aber ich konnte mir einfach nicht vorstellen mein ganzes Leben einen mehr oder weniger vorbestimmten Tagesablauf vor mir zu haben.

So mal eben alle Sicherheiten hinter sich lassen ist ja nicht wirklich einfach.

Wie kam es dann dazu, dass Du Dir so sicher warst, dass das Schauspiel genau das ist, was du machen möchtest?

Jörn // Das kam nicht aus dem nichts. Nach dem Abitur habe ich quasi die Entscheidung getroffen: Schauspiel oder Finanzamt. Beides hatte mich interessiert und gewonnen hat damals die Vernunft. Heute denke ich über die Vernunft ein bisschen anders, aber bereut habe ich meine Entscheidung nicht.

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Welchen Teil der Stadtführung magst Du persönlich am liebsten und was gefällt Dir an Hamburg grundsätzlich am besten?

Jörn // Das Nikolaifleet ist für mich der interessanteste Teil der Tour. Einfach aus dem Grund, weil ich dort selbst nie genau weiß, was mich erwartet. Volles Fleet? Leeres Fleet?

Kann ich Witze über Wattwanderungen machen oder muss man aufpassen, dass man nicht ins Wasser fällt? Man weiß es vorher einfach nie genau. Das mag ich. Und wenn genug Leute da sind, veranstalte ich am Ende immer ein kleines Störtebeker Schauspiel. Das ist dann immer schön zu beobachten, wie sehr die Leute mitmachen oder sich zurückhalten.

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Ich habe zwar noch nicht sehr viele Stadtführungen mit-gemacht, wahrscheinlich aber auch aus dem Grund, dass ich einige sehr dröge in Erinnerung habe. Deine Tour durch einen Teil Hamburgs hat viel Spaß gemacht und ich habe einiges an Neuem über diese herrliche Stadt erfahren.

Ist dieser Job in gewisser Weise für Dich auch eine Übung, wenn es um Deine eigentliche Berufung – nämlich die Schauspielerei, geht?

Jörn // Auf jeden Fall. Insbesondere um die Stimme zu trainieren. Die ganze Tour ist für mich eine einzige Sprechtechnik Übung, wenn man es von diesem Standpunkt aus betrachtet. Daher ist es aber auch kein Problem unter Glockenbeschallung der St. Nikolaikirche die Geschichte von Operation Gomorrha fortzuführen ohne Schreien zu müssen. Ich habe schon Stadtführer gesehen, die entweder dagegen anschreien oder sich bewusst weiter abseits stellen. Und wenn ich natürlich mal gar keine Lust habe – was vor allem Wetter bedingt ab und zu vorkommt – kann ich das auch ganz gut verschleiern. (schmunzelt)

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Wo möchtest Du am liebsten in Zukunft arbeiten? Wäre es eher das Theater was Dich begeistert, oder lieber für Film und Fernsehen?

Jörn // Ich fokussiere mich momentan auf die Arbeit vor der Kamera. Man steht als Schauspieler immer vor der Qual der Wahl: man will am liebsten alles machen und ist vor

allem auch froh, wenn man irgendwo irgendwas bekommt. Allerdings bin ich der Meinung, dass wenn man sich auf eine bestimmte Sache konzentriert, man dort auch erfolgreich sein kann. Konfuzius sagt: Du kannst ein Glas Wasser aufs Feld hinausschütten oder einen bestimmten Samen damit gießen. Nur im letzteren Fall wird der Samen mit Bestimmtheit gedeihen… Ok, das habe ich mir gerade ausgedacht, aber es klingt doch eigentlich ganz gut, oder!?!

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// Photos & Written by: Uta Gleiser

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