Gebrauchtes Porzellan und der mexikanische Totenkult

Auf St. Pauli gibt es Totenköpfe auf altem Porzellan und das bei Frau Ines. Manchmal gibt es Sachen, die einen auf eine Art und Weise verfolgen, als wollten sie sagen: Los!! guck doch noch mal genauer hin!, oder frag mal nach. So oder so ähnlich ging es mir mit den illustrierten Totenköpfen auf Omas Tellern. Irgendwo hatte ich sie schon mal auf einem Markt gesehen und als nächstes schauten mich die gleichen Totenköpfe auf den Torten von Herrn Max in der Schanze an. Seitdem kreuzen sich unsere Wege regelmäßig und als ich vor kurzem in der Kunsthaltestelle im Karoviertel die unterschiedlichen Teller von Frau Ines an der Wand hängen sah, war es endlich so weit. Wer gibt diesem alten Geschirr dieses neue Gesicht?

Die tolle Frau hinter dem Totenkult auf altem Porzellan heißt Frau Ines und ist Illustratorin. Obwohl Ines bis vor kurzem noch nie in Mexiko war, hatte sie ein Faible für den einzigartigen Totenkult, wie er dort zelebriert wird. Wahrscheinlich bin ich mit meinen Blicken an ihren Werken immer hängen geblieben, weil ich selber eine Liebe für diesen eigenartigen Kult entwickelt habe, seitdem ich in der Nähe von Acapulco auf Reisen war.

Um ein bisschen mehr von ihr zu erfahren, habe ich Ines in dem Gemeinschaftsladen und -atelier mit dem Namen Vergizzmeinnicht inmitten St. Pauli besucht. Wie das alles angefangen hat und warum ausgerechnet Totenköpfe und warum auf alten Tellern, das kann Ines am besten selber erzählen.

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Hola Ines, der mexikanische Totenkult ist schon sehr speziell und wenn man einmal in Mexico gewesen ist, kennt man die Ausmaße von dieser Verehrung. So weit ich weiß bist du aber bis vor kurzem noch gar nicht in Mexico gewesen und Deine Kunst auf Tellern gibt es ja schon ein Zeitchen.

Erzähle doch bitte erst einmal ein wenig über Dich, wo Du herkommst, warum es Dich nach Hamburg verschlagen hat und was du beruflich machst.

Ines // Hallo Uta, Mein Name ist Ines Häßler, ich komme ursprünglich aus Aschaffenburg und lebe und arbeite in Hamburg seit mittlerweile 5 Jahren. Ich glaube, ich war mit 18 Jahren das erste Mal zu Besuch in Hamburg und habe mich damals sofort in die Stadt verliebt. Ich wusste direkt hier will ich mal leben. Nach Studium und ersten Berufserfahrungen abseits von Hamburg, hat es mich dann 2011 endlich in die wundervolle Hansestadt verschlagen. Hier habe ich nach kurzer Zeit auch einen Ort gefunden an dem ich meine Passion für handgemachte Liebeleien in Form von Illustrationen auf jedmöglichen Medien freien Lauf lassen kann. Design und Illustration sind meine Berufung.

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Wie kam es denn zustande, dass du mit den Totenköpfen angefangen hast und dass, obwohl du noch nie in Mexico warst?

Ines // Als es dem Ende meines Kommunikationsdesign-Studiums zuging, befasste ich mich immer häufiger mit dem Thema Tod, was auch aus privaten Gründen hervorging. Als Diplomthema wollte ich mich deswegen mit dem Gegenteil, dem „Lachen“ befassen. Durch meine Recherchen stieß ich dann irgendwann auf den mexikanischen Kult des „Dia de los Muertos“.

Die Lebensfreude und der bewundernswerte Umgang mit dem Tod der Mexikaner hat mich total fasziniert, weshalb ich mich dazu entschloss meinem Diplom das Thema „Lachen.Tod.“ zu geben. Seit dem hat mich die Thematik nicht mehr los gelassen. Seit nun 6 Jahren beschäftigt mich die charmante Art und Weise des mexikanischen Totenkults: Die kitschig verspielten Skelette, die bunten Scherenschnittgirlanden, die prachtvoll dekorierten Gräber, die leidenschaftlichen und detailverliebten Altare und die grandiosen Paraden… ein bunter Blumenstrauß an Lebensfreude – trotz Tod. Und eine so tolle Alternative zu unserer Trauerkultur und unserem grau in grau. Wie kann man dem nicht verfallen?

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Wieso kommen Deine Illustrationen auf gebrauchtes, oder besser gesagt, altes Geschirr und Fotos?

Ines // Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr genau, wann ich auf die Idee mit den Tellern gekommen bin. Ich bin leidenschaftlicher Flohmarktgänger und erfreue mich immer an jedmöglichem alten Kitsch. Unter Anderem zählt dazu auch eine Vielzahl an wundervoll dekoriertem Porzellan, was man sich selbst ja nicht alles zulegen kann. Die Kombination aus dem alten, spießigem Porzellandekor und meinen schwarzen aber.

lieblichen Totenkopfzeichnungen ergaben für mich dann aber auf ein mal so viel Sinn, das ich fortan die Teller als neues Medium für meine Illustrationen bezog. Jeder Teller bringt seine eigene Geschichte mit, hat schon einige Leben mit gelebt und viele Menschen kennen gelernt. Und genau wie die Illustrationen die meine Hommage an den Todestag sind, leben sie gerade durch die vielen kleinen prunkvollen Details im Dekor. Eine perfekte Ergänzung um dem verstaubten Porzellan eine neue Geschichte mit zu geben. Hinzu kommt das die Mexikaner ihren Verstorbenen Angehörigen bei ihrer Rückkehr zum „Day of Dead“ auch ihre Leibspeisen kredenzen, was das Medium „Teller „noch mal verstärkt.

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Was für Aufträge bekommst Du und was macht Dir am meisten Spaß?

Ines // Viele Aufträge kommen tatsächlich zum Thema Hochzeit. Ein paar hatte ich aber auch schon zur Taufe oder Geburt eines Kindes. Sehr spannend finde ich auch die Kooperation mit „ Atelier von Herzen“: Bei denen kann man unter anderem meine handbemalten Urnen für die Verstorbenen Angehörigen erwerben. Für viele ein sensibles

Thema, das aber nun mal zum Leben dazu gehört. Am meisten Spaß machen mir aber die individuellen Ideen, die eigenen Interpretationen und Charakterzüge des Todes. In vielen meiner Illustrationen steckt auch ein Stück Ines mit drin. So entstanden die maritimen Motive durch meine Liebe zu Hamburg, die orientalischen Köpfe durch mein Faible für pompöse Schmuckstücke und die Kaktusköpfe durch meine unersättliche Kaktus Liebelei. Diese Ergänzungen für andere zu machen, finde ich am spannendsten.

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Der Laden Vergizzmeinnicht in der Simon von Utrecht Straße ist ein gemeinschaftliches Projekt und eine schöne Mischung aus Laden, Ausstellungsraum und Atelier. Wer genau steht hinter Vergizzmeinnicht, wie habt Ihr Euch gefunden und arbeitet Ihr auch zusammen?

Ines // Das Vergizzmeinicht steht für individuelle und handgemachte Designstücke die vor Ort produziert und verkauft werden. Vier Mädels und vier ganz unterschiedliche Labels: Von Modedesign über Illustration zur Goldschmiedekunst ist alles vertreten.

In unserem Laden befindet sich neben der Verkaufsfläche im vorderen Teil, auch unsere Atelierplätze und Werkstätten im hinteren Teil. So bekommt jeder Kunde neben dem Einkaufserlebnis direkt auch einen Einblick in die Herstellung der einzelnen Produkte. Gegründet wurde das Vergizzmeinnicht vor 5 Jahren. Vor 3 Jahren haben mich die Mädels auf einem Designmarkt angesprochen und 3 Monate später war ich schon Teil der wunderbaren Kreativgemeinschaft. Neben den Ausstellungen externer Künstler die wir monatlich gemeinsam organisieren, sind wir auch oft gemeinschaftlich auf Designmärkten unterwegs. Das ein oder ander Mal ist auch schon eine Kooperation daraus entstanden, wie z.Bsp die „Schmucken Erinnerungen“ von Katja Schian Schmuckdesign und Frau Ines

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Deine Zeichnungen verbinde ich, wie wahrscheinlich einige andere auch, mit der Tattooszene…wie ich gehört habe, ist das Tätowieren eine Deiner Leidenschaften. Wird man Dich in Zukunft auch als Tätowiererin mit Deinen Illustrationen buchen können? und wenn …wo?

Ines // Das Tattoo-Thema ist noch ein ganz jungfräuliches. Aber ja, seit letztem Sommer hat es mir das neue Medium „Haut“ sehr angetan. Offiziell bin ich nun seit Mai als Tättowiererin dabei und nehme sehr sehr gerne Ideen und Wünsche für ein Tattoo entgegen. Am besten einfach eine Mail an hello@frau-ines.de schreiben. Ich freue mich wahnsinnig über die vielen Anfragen und grandiosen Ideen zu meinem Illustil. Vielen Dank an alle die sich bisher getraut haben!

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// Photos & Written by: Uta Gleiser

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