The Commons – vom Hinterhof zum Gemeinschaftsprojekt

Die ersten Tage in Bangkok sind voller spannender Eindrücke. Nur, dass der Lärmpegel ein anderer, die Luft viel heißer als Zuhause um diese Jahreszeit ist und die Gerüche von appetitanregend bis hin zu „ich kipp` hier gleich aus den Puschen“ reichen. Diese Stadt hat von ärmlichen Behausungen bis hin zum puren Luxus wohl alles zu bieten. Nachdem ich mich etwas akklimatisiert habe, mache ich mich an die Recherche, wo wohl die besten Coffee Bars der Stadt zu finden sind. Eine davon ist wohl „The Roots“ – eine kleine Café-Boutique, die im ruhigeren Teil der Soi Ekamai zu finden ist…auf jeden Fall war sie dort einmal! Ich für meinen Teil stehe vor verschlossenen Türen. Zum Glück treffe ich auf genügend Menschen, die mir sagen können, wo ich den leckeren Kaffee probieren kann.

The Roots wird von Varatt Vichit Vadakan betrieben, der auch schon hinter dem Restaurant „The Roast“ steht und eines der beliebtesten Brunch-Plätze Bangkoks ist. Nun haben Varatt und seine Schwester Vicharee „The COMMONS“ ins Leben gerufen. Diese Art Mall ist momentan wohl einer der hippsten Orte in Bangkok. Ein freizügiges und offenes Gebäude auf mehreren Ebenen, ganz aus Beton, mit viel Grün und Luft zum Atmen. Handgemachte Cafés & Restaurants, quasi ein Markt- und Spielplatz für alle, die Essen und Trinken lieben

und genießen. Aufgeteilt ist der umweltfreundliche Komplex in 4 Bereiche: Market, Village, Play Yard und Topyard. Ein Zusammenschluss von unterschiedlichen Unternehmen, die den gleichen Anspruch an Qualität und Service haben. Das Gebäude lädt zum Erkunden und Bummeln ein und am liebsten würde man sich durch alle ansässigen Lokalitäten einmal durchessen und -trinken.

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Liebe Vicharee, lieber Varatt, Ihr zwei seid die Initiatoren des „The COMMONS“. Erzählt mir doch bitte erst einmal ein bisschen über Euch und was Ihr ursprünglich mal gemacht habt. Ich hatte gelesen, dass es am Anfang das „The Roast“ gab und das „The Roots“ dann dazu kam.

Verratet mir doch bitte noch etwas über die Entstehung und was bei beiden Läden im Vordergrund stand und noch steht?

Vicharee // Varatt´s erste unternehmerische Tätigkeit in der Food & Beverage Industrie war ein kleines Café mit 12 Sitzplätzen mit dem Namen Ghana Café. Die Specialty Coffee Scene war zu dieser Zeit noch sehr klein.

Alles was er wollte, war Kaffee servieren und der Szene beim größer werden zu helfen. „Roast“ öffneten wir vor 5 Jahren und dies war somit unsere zweite Gründung. Mit diesem Unternehmen wollten wir aber nicht nur frisch gerösteten Kaffee anbieten, sondern unser Ziel war es, frisches, leckeres und bodenständiges Essen anzubieten, in einer familiären Atmosphäre – also ein Ort, an dem man zu jeder Tageszeit zum Essen kommen kann. Die Cafébar „Roots“ ist eine natürliche Erweiterung von unserem Unternehmen, quasi eine Einheit mit dem alleinigen Fokus auf der Entwicklung der Specialty Coffee Szene in Thailand. Vor einem halben Jahr wurden wir offiziell zu einer Marke (brand 3). Im „The COMMONS“ haben wir ein Café und eine Mikrorösterei, die Programme für andere Cafés wie das CHU Café, After You Café und das Greyhound Café einrichtet. All das hatte angefangen, weil wir mit den Menschen eine gute Tasse Kaffee teilen wollten.

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Wie kam der Entschluss, ein solch großes Projekt wie das „The COMMONS“ zu starten und wie passen die unterschiedlichen Läden zusammen?

Varatt // Das „The COMMONS“ entstand, weil uns auffiel, dass der Markt für Konsumenten, die sich für gute Produkte von leidenschaftlichen Herstellern interessierten, immer größer wurde und gleichzeitig immer mehr Produzenten aus der Umgebung auf den Markt kamen. Allerdings gab es keinen dauerhaften Ort, welcher diese beiden Gruppen zusammenbrachte. …und so entstand die anfängliche Idee für das „The COMMONS“.

Wie passen die unterschiedlichen Läden und Restaurants zusammen oder wie wurden sie ausgesucht?

Vicharee // Bei dem Auswahlverfahren waren wir sehr behutsam. Wir überlegten uns, welche Art von Essen, Getränken und Produkten in den Läden und welchen Service wir wollten. Danach suchten wir Menschen, die wirklich gut sind mit dem, was sie tun. Wir versicherten uns, dass jeder Lieferant und Erzeuger die gleiche Philosophie teilt wie wir, die Produkte eine hohe Qualität haben und mit Sorgfalt hergestellt werden. Wir hatten kein Vertriebsteam, das uns half. Es waren nur wir zwei und so tasteten wir uns Stückchen für Stückchen an jeden zukünftigen Ladenmieter heran. Das Feedback war großartig und wir hatten tatsächlich die meisten Zusagen der Mieter, bevor wir überhaupt mit dem Bau anfingen

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Was liegt im Hauptfokus bei diesem Projekt und was ist Eure Philosophie?

Varatt // Wir möchten gerne, dass „The COMMONS“ ein Treffpunkt für spezialisierte Lieferanten und Produzenten wird. Solche, die stolz darauf sind, was sie tun und dies mit einer besonderen Sorgfalt. Wir hoffen, dass wir einen Platz erschaffen, an dem Menschen zusammen kommen, um etwas zu erzeugen – nicht nur Dinge, sondern auch Ideen, Werte und Erinnerungen. Wir hoffen, eine Plattform für Gleichgesinnte zu werden, die ihr Wissen

und ihre Leidenschaft teilen. Wir hoffen, dass wir irgendwann fest in der Gemeinde verwurzelt sind und wir ein Ort der Zugehörigkeit werden. Wir wollen eine gesunde Gemeinschaft gründen. Für uns heißt das „gesund“ :Passe auf Dich auf, auf die, die Du liebst und Deine Gemeinschaft. Es gibt eine gesunde Balance zwischen gut essen, Aufmerksamkeit, auf seinen Körper achten, neugierig bleiben und Zeit mit denen zu verbringen, die einem etwas bedeuten. Um das „The COMMONS“ zu entwerfen, haben wir versucht, all diese kleinen Elemente einzufangen und diese in Angebote zu übersetzen, die helfen würden, ein gesundes Leben zu führen.

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In der heutigen Zeit geht es viel um Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Standards.

Was für eine Rolle spielen diese Faktoren im „The COMMONS“

Vicharee // Wir schreiben uns nicht auf die Fahne, dass wir Eco freundlich sind, allerdings leisten wir unseren Beitrag und gehen bewusst und verantwortlich mit diesem Thema um. Von unternehmerischer Seite haben wir, was Nachhaltigkeit angeht, diesen Ort auf lange Sicht gebaut. Wir möchten nicht, dass dies eines dieser Hipster-Orte wird, der dann nach ein paar Jahren langsam Bedürfnisse unserer Nachbarschaft achten müssen, in der wir leben. Wir hoffen, dass wir achtsame und verantwortliche Anwohner sind und dies

auch an unsere Gemeinde zurückgeben. Auf den ersten Blick sieht Thonglor aus wie eine wohlhabende Nachbarschaft, aber manchmal vergessen wir, dass es Menschen gibt, die nicht so viel Glück haben und in weniger schönen Nachbarschaften wie Thonglor leben. Demnächst werden wir unser eigenes COMMONS-Wasser verkaufen. Wir werden dieses Programm Common Passion nennen, denn ein Teil des Erlöses wird einmal im Monat an eine Person gehen, die in der Nachbarschaft lebt und Hilfe braucht. Das wäre auf jeden Fall ein Anfang. Wir hoffen, dass wir in Zukunft ein aktiver Partner der Gemeinschaft sein werden, um etwas zurückzugeben und Bedürfnisse von denen zu decken, die weniger sichtbar in der Nachbarschaft sind.

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Bei meinem Besuch wurde gerade ein Ort für Kinder eingerichtet. Dort können Eltern ihre Kinder abgeben, während sie einen Bummel durchs Haus machen.

Welchen Service bietet Ihr noch an und welche Zielgruppe wollt ihr mit Eurem Projekt ansprechen?

Vicharee // Außer dem Kid´s space haben wir auch the COMMONS kitchen im obersten Stock, dem Dachgarten. Das wird der Ort sein, an dem wir verschiedene Events und Veranstaltungen umsetzen werden sowie Kochkurse, Blumenbinden, Weinproben, Coffee cupping etc. Wir hoffen, dass wir ein Ort werden, an dem wir Menschen zusammenbringen, sie bei jedem Besuch etwas Neues entdecken und lernen. Zusätzlich kann die Dachterrasse

ür Partys oder Zusammenkünfte gemietet werden. In Bangkok gibt es keine „Community Centers“. Menschen führen dadurch ein immer individuelleres Leben und kennen vielleicht noch nicht mal ihre Nachbarn, mit denen sie auf ein und demselben Flur leben. „The little Pea“ soll eine Örtlichkeit sein, in der frisch gebackene Mütter und Vollzeiteltern sich treffen und austauschen können.

The COMMONS kitchen und der Dachgarten soll ein Platz werden, an dem sich Menschen mit gleichen Interessen treffen, lernen, reden und ihre Leidenschaften teilen.
The COMMONS Ground, der grüne Outdoor Platz und der Bereich, wo die Treppen sind, wird hoffentlich ein Treffpunkt für Künstler, Musiker, Geschichtenerzähler, Schauspieler oder anderen kreativen Menschen. Gleichzeitig kann dieser als Ausstellungraum genutzt werden

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Varatt, was ist Deine größere Leidenschaft? Kaffee oder Essen?..oder geht das Eine nicht ohne das Andere? Wie wichtig ist die Frage der Qualität in allen Restaurants?

Varatt // Wenn ich mich für eine Sache entscheiden muss, dann würde ich sagen: Kaffee. Schließlich hat alles für mich damit angefangen. Ich liebe die Reise des Kaffees, von der Farm, bis hin zur Tasse und ich versuche, an jedem einzelnen Schritt teilzunehmen und den Kaffee zu verbessern. Ja, Kaffee ist nur ein Getränk, aber es ist auch viel mehr als das. Jede einzelne Tasse hat ihre Geschichte und mir hat es gezeigt, dass wenn man etwas Großartiges erzeugen will, gehört viel harte Arbeit und Zeit dazu. Über Kaffee zu lernen heißt, über das Leben zu lernen. Wie auch immer, Du hast recht, denn ohne das Eine geht das Andere nicht, das haben wir selbst in Bangkok herausgefunden. Menschen haben das Bedürfnis, dass

zu einem guten Essen auch ein guter Kaffee gehört und so kam das „Roast“ ins Spiel. Leute liebten den Kaffee, aber suchten gleichzeitig nach einem Pendant zu ihrem Getränk, um länger hier zu bleiben oder öfter in unser Café zu kommen. Also wenn es um die Qualität geht… ich würde sagen, das ist das Herzstück, um was es hier hauptsächlich geht. Es ist das Maßgebliche in all unseren Geschäften, die wir ins Leben gerufen haben oder noch rufen werden. Es reicht nicht, top Produkte zu benutzen oder die teuersten Zutaten. Wenn man aber den Dingen, die man anbietet, einen Wert, den Mitarbeitern eine richtige Ausbildung ermöglicht und last but not least seine eigenen Ideen und Kreativität dazu gibt, dann macht es einen Unterschied. Eine gleichbleibende Qualität zu liefern ist ebenfalls wichtig. Ein weiterer wichtiger Punkt für uns ist Aufrichtigkeit. Wenn wir alles auf einem ehrlichen Weg machen, keine Abkürzungen nehmen und einfach nur zu liefern, was das Beste für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter ist, dann wird der Erfolg schnell folgen.

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Vicharee, welches Projekt des „The COMMONS“ ist Deine Herzensangelegenheit?

Vicharee // The little Pea Kids COMMONS ist auf jeden Fall meine Herzensangelegenheit. Ich habe schon vor vielen Jahren davon geträumt, für Familien und Kinder einen Ort wie diesen ins Leben zu rufen. Lustigerweise hatte ich einen Businessplan für genau dieses Business, fünf Jahre bevor die Idee des „The COMMONS“ überhaupt geboren war. Als Mutter von zwei Kindern wollte ich gerne ein familienfreundliches Café sehen, in dem man

sich treffen und entspannen kann, ohne sich schlecht zu fühlen wegen dem Kinderlärm oder der Unordnung, die Kinder eben nun mal mit sich bringen.

In Thailand gibt es viele unterrichtende Schulen für Kinder, aber ich wollte einen Platz, der Spaß macht und verschiedenen Aktivitäten anbietet. Ich wollte alternative Aktivitäten anbieten, wie z.B. Kräuter pflanzen, kochen, hip hop tanzen oder Leder- bzw. Holzarbeiten. Außerdem sollte es die Möglichkeit geben, dass Eltern und Kinder dies Angebot zusammen wahrnehmen. Letztendlich glaube ich nicht, dass es weniger wichtig ist, was du lernst, sondern Momente, die man mit geliebten Menschen erlebt.

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Wo würdet Ihr gerne Eure Gemeinschaft und das „The COMMONS“ in der Zukunft sehen? Wird es mehr Projekte geben, die Ihr gerne umsetzten möchtet?

Varatt // Wir wünschen uns, dass sich „The COMMONS“ tiefer mit der Nachbarschaft verwurzelt. Eine zweite Küche für Anwohner, einen Garten für alle, die lieber ein Stück

näher an der Natur sein möchten, ein weiterer Platz, an der sich die Allgemeinheit treffen kann, um Neues zu lernen und ihre Leidenschaften auszutauschen. Im Moment sind wir gut mit der Arbeit ausgelastet, die wir an der Hand haben, von daher liegt unser Fokus darauf, unseren Traum vom „The COMMONS“ und das „Little Pea“ wahr werden zu lassen. Wir sind am überlegen, ein weiteres Roast in Bangkok zu eröffnen…. und wer weiß, was die Zukunft noch bringt?

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THE COMMONS BANKGKOK thecommonsbkk.com

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// Photos & Written by: Uta Gleiser

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Aurigoo (Uwe)

Whow. was für ein umfangreicher Bericht über Kaffeekultur in Bangkok. Die Stadt ist so “thailändisch-international” geworden. Da wirkt Hamburg schon fast ein wenig kleinstädtisch.Ich finde an Bangkok und Chiangmai so eindruckvoll, dass die Stadt auf eine eigene Art international wird.

ADMIN! Uta Gleiser

Hallo Uwe,
ja das stimmt, gegen Bangkok ist Hamburg wirklich fast niedlich. Chiangmai fand ich gerade so schön, weil es überschaubar war und es viele, großartige Sachen rund um die Stadt gibt, die noch überlaufen sind.

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